Impressionen von
der Lesung in der S*COBAR


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Nachbericht in der Eßlinger Zeitung

Nur Nieten in der Lotterie des Lebens (05.12.2011)



S*COBAR goes LesART: Autorenlesung mit Benedict Wells

Freitag, 02.12.2011:
Die S*COBAR auf Abwegen - und wenn schon. Mit Benedict Wells präsentierte der letzte Rockschuppen Esslingens ein literarisches Schwergewicht im Rahmen der LesART 2011.

Mit „Fast genial“ legt Benedict Wells sein drittes Buch vor und landet innerhalb kurzer Zeit auf der Spiegel-Beststellerliste auf Platz 6. Darin erzählt er eine unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, und sich auf die Suche nach ihm macht. Zusammen mit seinem besten Freund Grover, einem verschrobenen Superhirn, und dem Mädchen seines Herzens, der labilen, unberechenbaren Anne-May, macht er sich auf eine Reise quer durchs Land zur Westküste, um seinen Vater zu finden. Francis will wissen, wer er ist, und zu verlieren hat er nichts – oder doch? Ein dramatischer Erkundungstrip mit immer neuen Wendungen und einem im wahrsten Sinn atemberaubenden Showdown.

 

Interview: 9 Fragen an Benedict Wells

Du bist der jüngste Autor bei Diogenes. Wie hast du es damals geschafft, die Verleger auf dich aufmerksam zu machen?
Ich habe vier Jahre lang erfolglos vor mich hingeschrieben und nur Absagen bekommen, von Agenturen und Verlagen. Nur von Diogenes nicht. Es war mein Lieblingsverlag und ich wollte wenigstens dort keine Absage kriegen, also habe ich mich nicht beworben. Nach vier Jahren traf ich dann auf einer Halloweenparty zufällig einen Agenten, der versprach, meine Bücher zu lesen. Als er mich schließlich unter Vertrag nehmen wollte, fragte er mich, zu welchem Verlag ich am liebsten wolle. Ich sagte ihm Diogenes, aber wir glaubten damals beide nicht, dass es klappen würde. Trotzdem schickte er mein Buch dorthin, und wenige Tage später rief mich Daniel Keel, der Gründer des Verlags, an – er wollte mein Buch veröffentlichen. Unfassbar für mich, selbst heute noch. Ich habe jedenfalls immer versucht, auch für ihn zu schreiben, da er mir diese einmalige Chance gab.

Nach dem Abitur hast du alles auf eine Karte gesetzt, tagsüber gearbeitet und nachts geschrieben. Warst du in dieser Zeit schon mal kurz davor aufzugeben?
Ungefähr jeden Tag ein- bis zweimal. Seltsamerweise saß ich Stunden später dann doch wieder am Rechner und habe weitergeschrieben.

Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten? Basiert viel davon auf deinen eigenen Erfahrungen?
Schwer zu sagen. Es sind natürlich auch eigene Erfahrungen und Gedanken, etwa Schmerz, Ängste und Hoffnungen, aber auch generelle Beobachtungen. Es ist sehr viel von innen heraus. Manchmal sind es bestimmte Gefühle oder Charaktere, die plötzlich in meinem Kopf auftauchen und sich zunehmend zu einer Geschichte verdichten. Ich habe dann oft ein Grundkonzept, gewisse Momente, die ich beschreiben will, immer auch das Ende. Der Rest entwickelt sich einfach beim Schreiben.

Gibst du als Autor deinen Protagonisten auch mal Eigenschaften, die du selbst hast oder gerne hättest?
Ja. Nicht nur, aber auch. Und ich wünschte, ich könnte so gut Gitarre spielen wie Rauli aus Becks letzter Sommer.

Auf YouTube sind wir auf einige Filme gestoßen, in denen junge Musiker sich um die Rolle des Rauli in der Verfilmung von Becks letzter Sommer bewerben. Habt ihr ihn schon gefunden?
Ich denke schon, auch wenn noch nichts sicher ist. Aber ich habe einen möglichen Kandidaten schon gesehen und ich glaube, er ist super. Mehr darf ich aber noch nicht sagen. Wahnsinnig gefreut hat mich auf jeden Fall, dass Christian Ulmen – wenn mit der Verfilmung alles klappt - nun definitiv Robert Beck spielen wird. Das war immer mein Traum.

Nachdem im »Heute Journal« ein Porträt über dich gesendet wurde, hat dein neues Buch »Fast genial« den Sprung auf Platz 6 der Bestsellerliste geschafft. Werden wir dich jetzt öfter im Fernsehen sehen?
Nein, das war eine absolute Ausnahme und auch ein wirklich toller Beitrag. Ein Geschenk des Himmels. Aber ich möchte nicht zu den Schriftstellern gehören, die in allen Talkshows sitzen und zu allem ihre Meinung sagen. Ich finde der Autor ist das Unwichtigste, wichtig ist nur das Buch, daher möchte ich so wenig Interviews geben wie möglich. Einzige Ausnahme wäre so etwas wie »Druckfrisch« mit Denis Scheck, diese Sendung liebe ich.

Du stehst den »digital natives« altersmäßig nahe. Wie nimmst du die Entwicklung vom gedruckten Buch zur digitalen Ausgabe wahr?
Skeptisch. Ich wünsche mir, dass die E-Books niemals populär werden. Ich liebe die Jahrhunderte alte Tradition des gedruckten Buchs, das man aufklappen und in die Hand nehmen kann, den Geruch der Seiten, das Gefühl, dass dieses Exemplar nur einem selbst gehört. Ein geliebtes, mehrmals gelesenes Buch ist wie ein Freund. Ein E-Book nur eine Datei.

Du wirst bei Diogenes von einer Lektorin betreut. Wie wirkt sich das auf ein Manuskript von dir aus?
Sehr gut hoffentlich! Meine Lektorin ist meine Vertraute, ich kann sie alles zum Text fragen, wir schieben uns oft die Bälle hin und her. Das letzte Wort hat immer der Autor, aber es ist einfach wunderbar, wenn man tolle, kluge Anmerkungen bekommt, das kann nur helfen. 

Hast du schon Pläne für die Zeit nach deiner bevorstehenden Lesereise oder lässt du das einfach auf dich zukommen?
Ich gehe anschließend einfach wieder nach Barcelona zurück. Und danach möchte ich drei Jahre totalen Abstand, mit höchstens vereinzelten Lesungen. In dieser Zeit möchte ich reisen und vor allem das nächste Buch schreiben, das bisher Wichtigste und Größte für mich.

(Interview von Christina Bubeck, 04.09.2011, alle Rechte vorbehalten)


Über Benedict Wells

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Im Alter von sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayrische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vielbeachtetes Debüt ›Becks letzter Sommer‹ erschien 2008 und wurde mit dem bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. ›Spinner‹ (2009), seinen ersten Roman, schrieb er mit neunzehn.


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Benedict Wells im Interview beim ZDF heute Journal vom 22.08.2011.



Portrait Benedict Wells

Es ist Ende Oktober. Kein Goldener – sondern schweinekalt in Berlin. Benedict friert in seinem Kostüm. Er ist auf dem Weg zu einer Halloween-Party am Prenzlauer Berg. >>mehr



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